Chhimeki Sanstha Nepal

Saving Groups: gemeinsam sparen – ein Augenschein


Es ist heiss in Kathmandu, alle warten sehnsüchtig auf den Monsun, der die schwüle, schwere Luft reinigen soll. In einem kleinen Raum im Büro von Chhimeki sitzen viele Frauen dicht gedrängt in kleinen Gruppen zusammen. Schon nach kurzer Zeit bin ich nass geschwitzt. Doch die Frauen sind aufmerksam bei der Sache: Es geht um Geld, ihr Geld – die Frauen sparen gemeinsam! Sie diskutieren, Rupies werden hin und her gereicht. Hem Kumari Adhikari trägt alle Beträge in ein großes Registrierbuch ein. Sie ist in ihrer Gruppe für alles verantwortlich: Sie bringt das Geld auf die Bank und führt Buch.
Seit acht Jahren spart sie immer mit denselben Frauen monatlich jeweils 500 Nepali Rupies (NPR). Über Chhimeki haben sie sich kennengelernt. Alle sind sich vertraut. Nach zwei Stunden löst sich die Versammlung auf. Noch schnell ein Foto mit dem Handy als Erinnerung, und schon geht jede wieder ihrem Alltag nach.
Am nächsten Morgen treffe ich Hem Kumari Adhikari im Büro. Seit elf Jahren arbeitet sie in ihrem Stadtviertel als freiwillige Helferin für Chhimeki. Sie wurde bei der letzten Wahl als Vizepräsidentin in den Vereinsvorstand von Chhimeki Sanstha Nepal gewählt. Stolz hält sie das große Registrierbuch in der Hand und zeigt mir das Geld, das die Mitglieder ihrer Spargruppe am Vortag  einbezahlt haben. Heute geht sie damit auf die Bank. Für die Verwaltungsarbeit bekommt sie von der Gruppe eine kleine Aufwandsentschädigung von 200 NPR (1,70 €) pro Monat.
Die Idee dieser Spargruppe ist einfach gut. Gemeinsam wird Geld auf die Seite gelegt. Es gibt ganz klare Regeln. In Hem Kumari Adhikaris Spargruppe sind 23 Frauen. Seit 2017 spart jede 1000 NPR (8,50 €) pro Monat. Bis dahin war es die Hälfte, so wie in den meisten anderen Gruppen auch. Aber die Frauen verdienen offenbar so gut, dass sie mehr Geld sparen können – Chhimekis Ziel, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken, zahlt sich auch hier aus!

Stolz zeigen die Frauen ihr Sparbuch.

Jede für sich hätte mit dem kleinen Betrag bei einer Bank keine Chance, allein die Kontoeröffnung kostet 1000 NPR. Aber zusammen sind die Frauen stark: Die Bank zahlt ihnen vier Prozent Zinsen. Das ist nicht viel bei einer Inflationsrate von fast zehn Prozent – aber mehr, als wenn das Geld unter der Matratze versteckt würde. Doch die Bankzinsen sind nicht das eigentliche Ziel der Frauen, sie wirtschaften mit dem Geld auch selber: Sie geben sich gegenseitig Kredite – entweder für Bildung oder als Startkapital für die Gründung eines kleines Geschäfts. Hem Kumari Adhikari hat sich zum Beispiel 20 000 NPR für die Studiengebühren ihrer Tochter geliehen. Sie zahlt dafür zwölf Prozent Zinsen. Bei einer Bank müsste sie 20 bis 24 Prozent zahlen – wenn sie denn überhaupt für kreditwürdig befunden würde. Der Kredit muss nach einem halben Jahr wieder an die Spargruppe zurückbezahlt werden. Die Mitglieder prüfen ganz genau, wie realistisch das ist! Shohba Shresta, meine Ansprechpartnerin bei Chhimeki, betont, dass klare Regeln sehr wichtig sind. Sie selbst spart auch mit anderen Frauen von Chhimeki in einer Gruppe.
Insgesamt betreut Chhimeki 19 Spargruppen, in denen insgesamt 342 Frauen mitmachen. Jede Gruppe hat sieben bis 27 Mitglieder. Im Durchschnitt nehmen 28 Frauen pro Monat einen Kredit auf – mehr als die Hälfte investiert das Geld in eine wirtschaftliche Unternehmung. Bislang sind in den vielen Jahren seit der Existenz von Chhimeki und der Spargruppen erst wenige Kredite geplatzt. Dann ist natürlich die Aufregung groß – aber es gibt klare Regeln, wie es dann weiter geht: Die Rückzahlungsfrist wird um weitere sechs Monate verlängert und die Zinsen für diese Zeit verdoppelt.
Bei den monatlichen Treffen geht es aber nicht ausschließlich um Geld: Sie dienen auch dem Zusammenhalt der freiwilligen Helferinnen und Angestellten von Chhimeki. Die Frauen tauschen sich gerne über die alltäglichen Erfahrungen, Sorgen und Nöte aus und über die Hilfe, die sie im Alltag mit Chhimeki erfahren.

 

Copyright Text + Fotos: Melli Fleig

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